100 Jahre Schiedsrichter Gruppe Saarlouis
Laudatio von unserem KSO Gerhard Bednorz

Sehr geehrte Frau Ministerin Bachmann,
sehr geehrte Frau Beigeordnete Heinen,
sehr geehrte Festgäste,
liebe SR-Kameradinnen und Kameraden,

wir sind heute hier in Schwalbach zusammengekommen, um das 100-jährige Bestehen der SR-Gruppe Saarlouis zu feiern. Bei 100 Jahren kann man sicherlich von einem ganz besonderen Jubiläum sprechen, stehen 100 Jahre doch für mehrere Generationen von SR, die sich über ein Jahrhundert für unseren Fußballsport engagieren und für einen reibungslosen Ablauf der Spiele sorgen.

Als mich Michael vor mehr als einem halben Jahr gefragt hatte, ob ich die Festrede halten würde, habe ich spontan zugesagt, weil es mir als KSO ein wirkliches Bedürfnis ist, diejenigen, die in der Vergangenheit Verantwortung getragen haben und diejenigen, die es aktuell in der Gegenwart tun, entsprechend zu würdigen. Denn jeder, der sich ehrenamtlich engagiert, kennt das. Kritik bekommt man oft, Anerkennung nur selten und es allen recht machen, kann man sowieso nicht.

Um das Ganze etwas historisch einzuordnen, gestatten Sie mir bitte einen kurzen Blick in die Geschichte. Es ist allgemein bekannt, dass Fußball nach unserer heutigen Prägung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien entstand und sich nach 1880 in Europa ausbreitete. Aber wussten Sie, dass Überlieferungen zufolge bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. in China ein fußballähnliches Spiel ausgetragen wurde? Es gehörte wohl zum militärischen Ausbildungsprogramm der Soldaten und breitete sich auch im Volk aus. Über die damaligen Regeln ist freilich nichts bekannt, jedoch ist ebenfalls überliefert, dass man versuchte, durch Regeln Gewalt und Ruppigkeit einzugrenzen. Offensichtlich hat man damals schon erkannt, dass es ohne Regeln nicht geht. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden erstmals Fußballregeln festgehalten, wie Tore, Torhüter und ein luftgefüllter Ball. Das Spiel geriet allerdings danach wieder in Vergessenheit.

Auch aus den Kulturkreisen des antiken Griechenlands und des antiken Roms sind durch entsprechende Abbildungen fußballähnliche Ballsportarten überliefert.

Im 11. Jahrhundert beschreibt ein türkischer Gelehrter, dass ein Spiel, mit dem ein Ball mit dem Fuß getreten wurde, große Beliebtheit genoss.

Schmunzelnd habe ich gelesen, dass im Mittelalter in England eine Art Fußball praktiziert wurde, in dem 2 Orte gegeneinander spielten, bei der die Bewohner versuchten, den Ball durch das gegnerische Stadttor zu befördern, wobei das Spielfeld die Entfernung zwischen diese beiden Orten war, auch wenn diese kilometerweit auseinander lagen.

Auch aus Frankreich und Italien kannte man seit dem 15. Jahrhundert ähnliches, wobei in Italien der Begriff Calcio geprägt wurde, wie man den Fußball auch heute dort noch bezeichnet.

Wie bereits erwähnt, über Regeln ist so gut wie nichts bekannt, es ging wohl immer recht rüde zu, vor allem natürlich, weil es auch niemand gab, der sich um die Einhaltung von Regeln kümmerte.

So kommen wir dann zur Moderne, zum Fußball, wie wir ihn heute kennen. Die ersten Fußballregeln wurden 1848 von Studenten der Universität Cambridge verfasst. England gilt deshalb als Mutterland des Fußballs, auch weil 1863 in London der erste Fußballverband entstand. Der organisierte Fußballsport nahm so seinen Anfang.

Im Laufe der nächsten Jahre wurde das Regelwerk ständig weiterentwickelt und angepasst, eine Tatsache, die uns bis zum heutigen Tag erhalten blieb. So wurde 1866 die Abseitsregel eingeführt und ein Jahr später das Handspiel auf den Torwart begrenzt. 1872 wurde mit dem FA-Cup der erste nationale Wettbewerb eingeführt und nun liebe Gäste kommt das für uns wesentliche: 2 Jahre später, also 1874 wurde der Fußball-SR eingeführt, der das Spiel als Unparteiischer leitete. Dieses Jahr 1874 kann man also als Geburtsjahr des heutigen SR-Wesens bezeichnen.

Danach breitete sich der Fußball weiter in Europa und somit auch in Deutschland aus. Auch hier gründeten sich zunehmend Vereine, der DFB als übergeordneter Verband wurde 1900 ins Leben gerufen. Durch die Gründung der FIFA im Jahre 1904 wurden die Regeln zunehmend weltweit vereinheitlicht. Auch das kennen wir heute noch.

So hat sich der Fußball nach und nach zur beliebtesten Sportart weltweit entwickelt.

Im Saarland ist aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg recht wenig bekannt. Erst nach dem Krieg organisierte sich der Fußball, so dass es 1919 auch zur Gründung der ersten SR-Gruppen kam, so auch zur Gründung der SR-Gruppe Saarlouis. Der Sitz war in Dillingen und 1. Vorsitzender bis 1926 Josef Ifkowitsch. Danach wechselte der Vorsitz in relativ kurzen Abständen zu Alois Urnau, Kamerad Franzen, Nikolaus Dreßen und wiederum Alois Urnau, bis dann 1934 Peter Barth als Obmann die Geschicke übernahm.

Er blieb bis 1962 im Amt, also fast 3 Jahrzehnte. Ihm zur Seite stand Lehrwart Gregor Görgen. Sie merken an den Begriffen Obmann und Lehrwart, dass es seitdem die Führungsstruktur gibt, wie wir sie heute noch im Wesentlichen kennen. Also einen Obmann, der für das Organisatorische, also die Einteilung der SR zuständig ist und einen Lehrwart, der sich um die Ausbildung und die Lehrarbeit kümmert. Wenn man das über 30 Jahre lang macht, insbesondere auch in den sicherlich nicht einfachen Zeiten des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg, so kann man mit Fug und Recht sagen, dass hier Pionierarbeit in einer schwierigen Zeit geleistet wurde. In der Chronik steht, dass Peter Barth es verstand, die Gruppe, die auf über 100 SR angewachsen war, in Freundschaft und Kameradschaft zusammen zu schweißen. Ich denke, dieses besondere Engagement verdient besondere Würdigung und Anerkennung.

Man muss sich auch mal vorstellen, wie die Infrastruktur damals war. Kaum jemand hatte ein Auto. Wie kam man zu den Spielen? Aus Gesprächen mit einem verstorbenen Kameraden meiner Gruppe weiß ich, dass man, bei kürzeren Distanzen mit dem Fahrrad reiste. Bei größeren Entfernungen wurde schon mal der Bus genutzt, das war dann schon fast eine Tagesreise. Und, man stelle sich das heute mal vor, man suchte sogar Mitfahrgelegenheiten bei der eigenen Mannschaft, wenn diese zufällig irgendwo in der Nähe spielte. Clubhäuser und Duschmöglichkeiten waren nicht vorhanden. Sie sehen unsere damaligen Kameraden waren mit viel Begeisterung und Idealismus am Werk, sie dienen uns heute als echte Vorbilder.

Nachdem Reinhold Josef dann 3 Jahre amtierte, übernahm Franz Koch aus Roden bis 1971 die Gruppe. Nachfolger als Lehrwart wurde unser heutiges Ehrenmitglied Martin Labitzke, bei dem ich selbst meine SR-Prüfung im Jahre 1982 ablegte und der es damals als Linienrichter bis in die Bundesliga schaffte. Ab dieser Zeit war Martin sicherlich eine herausragende Persönlichkeit im SR-Wesen, der nicht nur die Gruppe Saarlouis, sondern später auch als Kreislehrwart und KSO über 20 Jahre lang maßgeblich das SR-Wesen des Westsaarkreises geprägt hat. Ich begrüße ihn heute ganz besonders, Martin, schön dass du da bist.

Aufgrund der hohen Anzahl der SR wurde 1971 die Gruppe geteilt, es entstand die Gruppe Dillingen, Nachfolger des leider früh verstorbenen Obmannes Franz Koch wurde Ambrosius Theobald, von allen liebevoll „Brosi“ genannt, er amtierte 15 Jahre lang bis 1986. Lehrwart während dieser ganzen Zeit war übrigens immer noch Martin Labitzke. 1980 wurde die Gruppe erneut geteilt und es entstand die Gruppe Wadgassen. Herausragende Persönlichkeit damals war mit Sicherheit auch Helmut Treib, der es als SR bis zum Bundesliga-SR brachte und dann als Lehrwart und späterer Obmann in die Gruppe Wadgassen wechselte.

Martin Labitzke übernahm dann 1986 selbst als Obmann die Gruppe. Ihm folgte Günter Decker im Jahre 1993. Günter amtierte über 20 Jahre bis 2014. Leider verstarb er kurze Zeit später nach kurzer, schwerer Krankheit. Auch sein langes Wirken gilt es heute zu würdigen. Seit 1986, also seit über 30 Jahren, bis zum heutigen Tag unterstützt Rainer Klein die jeweilige Gruppenführung in unterschiedlichen Funktionen, vor allem als Lehrwart. Rainer hat Generationen von SR ausgebildet und bringt sich auch heute noch als Coach für junge SR in die Gruppe ein, die so von seinem Fachwissen und reichlichem Erfahrungsschatz profitieren. Ein Engagement, dass in der heutigen Zeit nicht hoch genug geschätzt werden kann. Dass in den letzten Jahren etliche SR dieser Gruppe in höheren Leistungsklassen Spiele leiten, ist mit Sicherheit auch sein Verdienst. Rainer ist heute urlaubsbedingt leider nicht hier, aber ich denke, ihm gilt an dieser Stelle ein besonderer Dank.

Aus dieser Gruppe ging auch ein SR hervor, der es in den 80-er Jahren als SR bis in die 2. Liga geschafft hatte. Er wurde auch als Assistent in der Bundesliga und bei internationalen Spielen eingesetzt. Die Rede ist von Berthold Schneider. Als besondere Highlights seiner Karriere bezeichnet Berthold ein Spiel an der Seite von Dieter Pauly bei Real Madrid vor ausverkauftem Haus im Bernabeu-Stadion sowie das Pokalspiel Weinheim gegen Bayern München, das bekanntermaßen 1:0 für Weinheim endete. Von solchen Erlebnissen können die meisten SR nur träumen. Berthold leitet heute immer noch als rüstiger Mittsechziger Spiele im aktiven Bereich und ist auf allen Plätzen ein gern gesehener und beliebter SR. Lieber Berthold, wir hoffen, dass du uns mit deiner Erfahrung noch lange erhalten bleibst.

Kommen wir nun zur Gegenwart. Der heutige Obmann, Michael Albert, übernahm im Jahre 2014 als Nachfolger von Günter Decker die Leitung der SR-Gruppe, zunächst noch mit Rainer Klein als Lehrwart. Durch den zunehmenden Rückgang des SR-Personals im gesamten Kreis Westsaar entschloss sich der Kreisschiedsrichterausschuss zu einer umfassenden Strukturreform. Ein Ergebnis dieser Reform war die Zusammenlegung der Gruppen Wadgassen und Saarlouis zu neuen SR-Gruppe Saarlouis im Februar 2014 unter der Leitung von Michael Albert. Auch Werner Maaß, der über 20 Jahre lang die Gruppe Wadgassen mit großem Engagement leitete, verdient für seine Verdienste besondere Anerkennung.

Wenn man sich die Gruppe heute anschaut, so ist sie mit rund 80 aktiven SR gut aufgestellt. Es gelingt immer noch, von der E-Jgd. über die Aktiven bis zur AH alle Spiele mit SR zu besetzen. Auch die interne Struktur der Gruppe ist vorbildlich. Die Gruppe stellt insgesamt 7 Gespanne von der Verbandsliga bis zur Regionalliga. Wir haben mit Jan Dennemärker einen Spitzen-SR in der Regionalliga, der auch als Assistent in der 3. Liga eingesetzt wird. Spiele der AOL leiten Thorben Rech und Luca Schiliro. Beide amtieren auch als Assistenten in der Regionalliga. Marius Backes und Niklas Kunzler vertreten die Gruppe in der Saarlandliga und Yannick Louis und Yannick Huber in der Verbandsliga. Alles junge Kameraden, von denen der ein oder andere sicherlich noch nicht am Ende des Weges angekommen ist.

Was mich für die Zukunft sehr optimistisch stimmt, ist, dass es eben viele dieser jungen Kameraden sind, alle im Alter bis Mitte 20, die sich über ihre aktive SR-Tätigkeit hinaus in der Gruppe engagieren und damit dafür sorgen, dass die Gruppe strukturell gut aufgestellt ist und mittlerweile durchaus Vorbildcharakter hat.

Thorben Rech füllt z.B. das Amt des Kreislehrwartes aus, ist also verantwortlich für die Lehrarbeit im ganzen Kreis und leistet hier hervorragende Arbeit, insbesondere bei der Förderung junger talentierter SR und er ist auch gleichzeitig mein Stellvertreter. Luca Schiliro ist seit 2017 Lehrwart dieser Gruppe und Jan Dennemärker auf Kreisebene Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Yannick Louis unterstützt seinen Obmann als SR-Ansetzer der Aktiven, eine Tätigkeit, die mit besonders hohem Zeitaufwand verbunden ist. Nicht zuletzt Yannick Huber, der den Vorsitz des neu gegründeten Fördervereins, des Fußballschiedsrichtervereins Saarlouis, übernommen hat. Wie bereits erwähnt, alles Kameraden Mitte 20, die sich hier engagieren. So ist mir um die Zukunft der Gruppe nicht bange.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle die Paten, die die jungen, neuen Kameraden bei den ersten Spielleitungen unterstützen und ihnen über die ersten Hürden hinweg helfen. Auch sie leisten äußerst wertvolle Arbeit.

Noch ein Wort zum Förderverein: Dieser ist mittlerweile für eine moderne Gruppenstruktur unverzichtbar, wenn Veranstaltungen stattfinden, wo Speisen und Getränke verkauft werden. Eine SR-Gruppe als Teil des SFV ist nämlich kein eigener Verein, besitzt also auch keine eigene Gemeinnützigkeit mit der Folge, dass beim Verkauf besagter Speisen und Getränke Umsatzsteuer ans Finanzamt abgeführt werden müsste. Durch die Gründung des Fördervereins, der dann als gemeinnütziger Verein als Veranstalter fungiert, kommt dann der erwirtschafte Gewinn in vollen Umfang der SR-Gruppe für die Kameradschaftspflege zugute. Also auch hier sind die Hausaufgaben gemacht.

Ich komme zum Ende meiner Ausführungen, Immer wieder werde ich in Gesprächen gefragt, was denn die Faszination des SR-Wesens ausmacht, warum man sich das antut. Denn fast jeder sagt, wir brauchen die SR, aber ich möchte kein SR sein. Bei der Frage nach dem warum, kommt auch fast immer die gleiche stereotype Antwort. Was ihr euch alles gefallen lassen müsst. Ihr werdet beschimpft und beleidigt, zum Sündenbock gemacht usw., für mich wäre das nichts.

Ich antworte dann immer, dass es uns SR große Freude bereitet, Teil des schönsten Spiels der Welt zu sein. Dass es eine Herausforderung ist, dieses Spiel mit seiner Schnelligkeit, seiner Dynamik und seiner Taktik zu leiten. Und wenn sich dann nach dem Abpfiff beide Mannschaften bei mir bedanken, man in der 3. Halbzeit bei einem kühlen Getränk gern auch noch emotional diskutieren kann und man mir dann auch den ein oder anderen Fehler verzeiht und so den Fair-Play-Gedanken lebt, dann sind das immer wieder schöne Erlebnisse, die ich nicht missen möchte.

Liebe Festgäste, zu guter Letzt möchte ich Dank sagen. An die erwähnten Funktionsträger für die geleistete ehrenamtliche Arbeit und soweit es meine Amtszeit betrifft, für die stets harmonische und kameradschaftliche Zusammenarbeit. Ganz besonders danken möchte ich allerdings allen SR der Basis. Sie leiten Woche für Woche allein ihre Spiele, haben weder Assistenten noch einen 4. Offiziellen, noch einen Videoassistenten. Das heißt vom Ausball über Fouls, Abseits und Strafraumszenen müssen sie alle Entscheidungen selbst treffen und mit 22 Spielern unterschiedlicher Charaktere zu Recht kommen. Sie tun dies ohne großes Aufheben, bescheiden und unspektakulär. Sie sind es, die für die Einhaltung der Regeln sorgen und einen reibungslosen Ablauf der Spiele in unserem Amateurbereich garantieren. Euch, liebe Kameradinnen und Kameraden gilt meine Hochachtung.

Ich wünsche der SR-Gruppe Saarlouis, dass sie zukünftig konsequent den eingeschlagenen Weg weiter verfolgt. Dann wird sie auch weiterhin für eine qualitativ hochwertige Spielbesetzung in allen Spielklassen sorgen können.

Verehrte Gäste, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

 
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